Noch nie habe ich mich über den Deutschlandfunk beschwert. Im Gegenteil, ich bin ein treuer wie interessierter Hörer und zwar bereits seit DDR-Zeiten. Natürlich gelingt nicht jede Sendung, aber daran kann man arbeiten und wir – die Hörer – sind auch verdammt unterschiedlich in unseren Ansprüchen.
Was ich jetzt über die Programm-Reform höre, entsetzt mich (s. Dlf Hörfunkrat 22. Juni und FAZ 24. Juni S. 9). Natürlich kenne ich noch nicht alle Details, aber spezielle Sendungen, die ich besonders gern höre und qualitativ anspruchsvoll gestaltet sind, sollen verschwinden oder bestenfalls innerhalb des Programms auftauchen. Sollen die Redakteurinnen und Redakteure sich um die guten Plätze dort balgen? Setzt sich Qualität so durch? Soll sich der interessierte Hörer nun über Google informieren, wo und wann im DlF die Sendungen oder von ihm bevorzugte Redakteure (weil mit besonderer Expertise ausgestattet) einen Platz bekommen?
Für mich ist der Deutschlandfunk – im Gegensatz zu (!) allen anderen Sendern – kein Dudelfunk, sondern ein ausgezeichneter Informationssender. Ich höre gezielt Sendungen wie das Medienmagazin @mediasres, Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft, Forschung aktuell und Büchermarkt, um mich dann auch mal über eine Pause zu freuen, bevor ich die nächste Sendung höre z. B. die vorzügliche Sendung Sinn und Streit – aber eben ausdrücklich nicht über Apple Podcasts. Und was wird beispielsweise mit dem tollen Amerika verstehen mit Volker Depkat? Was wird aus Europa heute? Ich brauche keine Dauerberieslung, aber gute Sendungen.
Die Programm-Reform sollte mindestens öffentlich vorgestellt und in Kontrovers mit den Hörerinnen und Hörern diskutiert werden. Ansonsten verliert auch der DlF – wie viele andere Medien – seine Glaubwürdigkeit und seine Zuhörer. Das wäre demokratieschädigend.
Die Petition gegen die DlF-Programm-Reform unterstütze ich aus vollem Herzen.