Die internationale Ordnung entstand als geschichtlicher Fortschritt nach 1945, nach den Verwüstungen und Verheerungen der beiden Weltkriege: Freier Handel, Nichteinmischung, Menschenrechte, die Anerkennung des Status Quo und die UNO. Hinter dieser regelbasierten Ordnung konnten wir uns, die reichen Staaten im Westen, sicher fühlen. Wohlstand und enorme Abrüstung folgten. Die Freiheitsbewegungen in Mittel- und Osteuropa gaben 1989 einen enormen Schub mit Wohlstand und Abrüstung. Wir schienen auf der Sonnenseite. Doch auf anderen Kontinenten sah es in der Regel (sic!) anders aus. Heute wiederum wird der freie Handel vom kommunistisch-kapitalistischen China diktiert. Wer hätte das je für möglich gehalten? Europa gerät dabei mit seinem Ideal des freien Handels ins Hintertreffen. Die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten führte dazu, dass Diktaturen sich hinter diesem „Schutzschild“ weltweit wohnlich einrichten konnten. Cuba und Venezuela sind Beispiele, der Sudan auch und nicht zuletzt Russland mit der Krim-Annexion und dem Frontalangriff auf die Ukraine. Relativ neu ist, wie viele Menschen aus aller Welt bei uns Zuflucht suchen.
Die Diktatoren der Welt – rechte und linke – können trotz UN-Weltsicherheitsrat bisher machen, was sie wollen. Darüber regen wir uns je nach politischer Grundhaltung auf, verdrängen das Elend oder beschuldigen andere, nicht aufgepasst zu haben. Wir hingegen hocken bequem auf unserem Wohlstandsessel hinter einem regelbasierten Schutzschild. Nach dem russischen Angriff auf die ganze Ukraine wissen wir, ohne Amerikaner sind wir Russland oder China ziemlich schutzlos ausgeliefert. Der Lack ist ab. Die Realität erkennbar. Die Amerikaner werden Europa nicht für immer und ewig (und auf ihre Kosten) beschützen. Auch datentechnisch sieht es düster aus. Wir sind abhängig.
Selbstverständlich haben wir eigene Interessen und müssen damit vernünftig umgehen. Diese realistische Weltsicht fernab jeder Wunschvorstellung werden wir lernen müssen, ansonsten machen uns diejenigen, die keine Rücksicht nehmen (also Rücksichtslose), aufmerksam, was sonst noch in der Welt nicht funktioniert oder falsch läuft. Zum Beispiel, dass die Hamas jahrelang sich aus Venezuela über staatlich organisierte Drogengeschäfte Geld für ihren Kampf gegen Israel verschafft. Ist das völkerrechtskonform? Bei einem Thema hingegen bin ich mir aus Erfahrung relativ sicher, die Länder, wie der Iran, müssen ihre Probleme im Inneren selbst lösen. Was aber ist, wenn sie es nicht schaffen? Zuschauen?